25.07.14   ❤ „Kinderseelen weinen heimlich“ ❤  Teil 2

In den letzten Tagen habe ich viel über den ersten Teil meiner Erzählung nachgedacht. Manches kam wieder ins Bewusstsein, was immer in mir, aber gut verschlossen „weg geschlossen“ war.

Manch einer wird sich vielleicht nun fragen: „Warum macht sie das? Warum holt sie diese Erlebnisse wieder ans „Tageslicht“ und warum überhaupt macht sie es nun nach so vielen Jahren auch noch öffentlich? Man sollte doch, nach so langer Zeit doch auch mal die Vergangenheit ruhen lassen.“ Und vielleicht wird sich der ein oder andere nun auch fragen, warum macht sie nun weiter mit ihrer Lebensbeichte, wenn sie doch nun auch weiß, wie sehr ihr der erste Teil dieser Erzählung so zu gesetzt hat?

Meine Antwort auf diese „nicht“ gestellten Fragen, die aber bestimmt dennoch in der Luft liegen…… ist folgendes:

Es ist zu keiner Zeit meines bisherigen Lebens so gewesen, dass ich vollkommen unbeschwert leben konnte. Die Last in meiner Seele hat mal mehr und mal weniger gedrückt. Eine unsichtbare Last, die ich nicht immer zuordnen konnte. Die mich aber hin und wieder schwermütig werden ließ. Ok, die ersten 4 Jahre meines Lebens waren wirklich unbeschwert………. denn da wuchs ich bei meiner, über alles geliebten Ömi auf……. da war ein ganz kleines Stück Kindheit, wie sie sein sollte ❤

 

Als ich den ersten Teil meiner Erzählung schrieb, habe ich danach ganz viele Gefühlsausbrüche gehabt……….. habe viel nachgedacht, vieles ist mir wieder so bewusst geworden, was ich viele Jahre verdrängt habe und ich hab mehr als einmal geweint. Dennoch bin ich heute an dem Punkt angelangt, dass ich nach dem Weinen und Nachdenken und Weinen und Bewusstwerden auch ganz viel Erleichterung gespürt habe……… endlich konnte ich auch mal mit etwas abschließen. Mit mir selber Frieden schließen, welches mir gut tut.

Momentan ist es so, dass mir da ganz viele kleine Steinchen vom Herzen fallen, wenn ich alles in mir noch einmal neu bearbeite, verarbeite und überarbeite. Jetzt kann ich so gewisse Erlebnisse ganz hinten in die Erfahrens- Schubladen ablegen, wo sie verstauben dürfen 😉

 

Für eure ganzen lieben Feedbacks beim letzten Mal, möchte ich mich noch ganz herzlich bedanken………… die vielen „virtuellen Umarmungen“ taten mir gut und haben mir sehr geholfen, die „Steinchen in die passenden Schubladen abzulegen“ Danke ❤

Heike

 

Hallo du da………

Hallo? Bist du noch da?

Hörst du mir auch noch zu?

Es hat ein wenig länger gedauert, denn Blacky wollte doch noch länger Gassi gehen und  wenn ich ihn jetzt nicht gezogen hätte, wären wir jetzt immer noch unterwegs. Hunde, besonders so kleine Welpen brauchen eine harte Erziehung und eine strenge Hand, damit aus ihnen etwas werden kann……… nicht wahr? Warum aber schaffe ich es nicht so streng zu meinem geliebten Blacky zu sein? Wenn er mich so mit seinem Hundeblick anschaut, dann wird mir ganz warm ums Herz und meine Hand möchte ihm nur über den Kopf streicheln, möchte ihn einfach umarmen und ihm sagen, dass er kein Leid zu befürchten hat, solange ich bei ihm bin…….

Wie schaffst du das, mich zu verhauen mit dem, von mir so sehr gehassten Ledergürtel, wenn dir danach ist und wenn du meinst, ich habe mal wieder einen Fehler gemacht? Dabei kann ich dich noch so bittend anflehen, darum betteln, dass du aufhörst. Du hörst erst auf, wenn dir danach ist………….. wie du es immer tust……… erst dann, wenn dir danach ist.

Wenn dir danach ist, dann kommst du nachts in mein Zimmer und kontrollierst wieder mal meinen Schlafanzug. Dabei ist es dir egal, ob ich schon eingeschlafen bin und wie spät es ist. Wenn dir danach ist, lässt du deine Hände dorthin fassen, wo es mir so unangenehm ist und ich es nicht möchte. Ich versuche oft, meine Augen zu schließen und so zu tun, als schlafe ich noch, damit du nicht auch meine Hand dorthin führst, wo sie nicht hin will und ich versuche,  mich ganz weit weg zu wünschen, nicht daran zu denken, was du gerade machst……… Wenn ich dann merke, es gelingt mir nicht, dann hoffe ich, dass du ganz schnell fertig bist und ich endlich wieder meinen Frieden habe und ich mich in den Schlaf weinen kann.

Nachts, wenn das passiert und du ins Zimmer kommst………. komisch ist es doch ein bisschen, ist es schlimm…………ganz schlimm aber und unerträglich ist es, wenn es tagsüber passiert… Da, wo ich mit ansehen muss, wie dir der Spaß ins Gesicht steigt ………und ich ganz schlimmen Brechreiz bekomme, wenn ich in deine Augen schauen muss!

Dann, wenn du nach gefühlten Ewigkeiten fertig bist und ich mich wieder anziehen darf……… drohst du mir oft, dass, wenn ich Mami davon erzähle, du sie und auch mich töten würdes und umschlingst dabei mit beiden Händen meinem Hals und drückst ein wenig zu………… hörst erst auf damit, wenn ich dir verspreche, niemandem davon zu erzählen. Dabei brauche ich doch so dringend jemand, der mir zuhört und mir hilft!

Ich habe schon so oft daran gedacht, alles Mami zu erzählen……….. denn sie fragt mich so oft: “Was ist da los?…….Macht dein Vater irgend etwas mit dir, wenn ich arbeiten muss? Irgend etwas, was nicht ok ist?“ Dabei sehe ich die Angst und die Sorgen in Mamis Augen……. doch ich bekomme es nicht über mein Herz und meine Lippen, obwohl ich doch so gern alles los werden möchte……… Denn ich sehe ja jeden Tag, wie du auch mit Mami umgehst und sie sich nicht wehren kann. Du schimpfst mit ihr, wenn mal wieder etwas nicht so gelaufen ist, wie du es wolltest…………… Das Essen nicht rechtzeitig fertig oder deine Hemden nicht gebügelt wurden oder was auch immer……

Und da kann ich doch nicht Mami mit reinziehen und ihr alles erzählen………. Dann bringst du uns doch beide um und meine jüngere Schwester ist ganz allein auf der Welt. Und so werden Mamis Fragen immer eindringlicher und ich sage trotzdem jedes Mal, das nichts ist und alles in Ordnung. ……….. Ja Papa, du schaffst das mit deiner strengen Erziehung, dass ich dir gehorche und nichts Mami verrate. Fühlst du dich nun wieder mal bestätigt, nicht wahr?

Manchmal liege ich im Bett und wünsche mir so sehr, dass ich endlich aufhören könnte, zu atmen und ich einfach so sterben könnte. Ich habe versucht, mir selbst mit meinen Händen den Hals zugehalten, um es schneller zu beenden. Doch irgendwann habe ich dann gemerkt, so einfach stirbt es sich nicht.

 

Nun ist Mami wieder im Krankenhaus und ich habe eine kleine Schwester bekommen. Drei Mädchen sind wir nun und ich die älteste von uns……… Du Papa sagst immer, dass du mich am liebsten von allen hättest und du mich sogar noch mehr lieben würdest, als Mami und dass du dir, wenn ich älter wäre, ein Baby von mir wünschen würdest………

Du machst mir Angst, ganz große Angst damit, weil du so etwas sagst und ich versuche einfach nicht hin zuhören und doch brennen sich deine Worte wie tiefe Narben in meine kleine Seele ein. Warum nur sagst du solche schlimmen Sachen………….. Warum habe ich nun das Gefühl, du hörst nie damit auf, das zu tun, was du schon so lange tust…………..hört das denn nie mehr auf und muss das mein ganzes Leben so weiter gehen?

Hoffentlich kommt Mami ganz schnell wieder aus dem Krankenhaus raus……….. ich durfte, seitdem Mami dort ist, nicht mehr in meinem eigenen Bett schlafen, sondern musste im Elternschlafzimmer übernachten. Diese eine Woche kam mir unendlich lang vor und ich wäre bestimmt, ganz bestimmt gestorben, wenn es noch eine Nacht länger gedauert hätte, glaube ich zumindest……….

Dann kam der Tag, an dem Mami dich „beinahe“ dabei erwischt hätte, was du tatest……….  Doch nun konntest du dich nicht mehr so raus reden, wie du es zuvor immer wieder geschafft hast. Sie hat dich zwar nicht direkt und unmissverständlich entdeckt……… aber es war doch so eindeutig, dass Mami nun endlich handeln konnte….

Sie hat, als du bei der Arbeit warst, einige Sachen in Koffer gepackt und uns Kinder, mitsamt meinem Blacky und ist mit uns zu meiner Tante, ihrer Schwester gefahren. Dort blieben wir erst mal…… Sie hat dich bei der Polizei angezeigt und gleich die Scheidung eingereicht.

Zunächst dachte ich einfach nur, ich könnte aufatmen und aller Spuk hat ein Ende. Ok, ein gutes hatte es nun…….. ich merkte, dass meine Mami doch nicht ganz so hilflos war, wie ich immer vermutet habe……. Sie hat mich letztendlich aus dieser Hölle, deiner Hölle befreien können! Du warst nun hinter Gittern und ich musste bei der Kripo aussagen und die Leute dort haben mir ganz viele Fragen gestellt.

Es ist mir so schwer gefallen und ich habe mich so geschämt……….hatte doch immer noch Angst, sie würden sagen, dass ich alles selbst schuld bin…………so, wie du es mir immer gesagt hast. Irgendwann waren dann auch die Fragen der Beamten vorbei und ich musste jetzt auch noch zu einem Arzt, der mich untersuchen sollte. Ob die Polizisten mir denn nun doch nicht glauben, dass jetzt auch noch ein Arzt überprüfen muss, ob ich die Wahrheit sage? Ich habe mich so geschämt in diesem Augenblick……… und dieser Arzt war nicht nett zu mir und hat mir befohlen, während der Untersuchung still zu halten und ich soll aufhören, mich so anzustellen. Am liebsten wäre ich da nur aufgestanden und weg gelaufen, doch ich habe mich nicht getraut und nach gefühlten Ewigkeiten war auch das vorbei und ich konnte endlich gehen.

Da meine Tante mit ihrer Familie etwas weiter weg wohnten, wurde ich auch ziemlich schnell in die dortige Schule eingeschult und ich hatte endlich das Gefühl, freier zu sein. Keine Angst mehr zu haben, das du plötzlich vor mir stehst………. das tat richtig gut! Kannst du mich verstehen Papa?

Nach einigen Wochen kam ein Brief von der Kripo und wir mussten wiederum zu einem Termin dort erscheinen. Also fuhren wir mit Mama dorthin und die Beamten haben dann mit meiner Schwester und mir gesprochen………. dass du Papa darum gebeten hast, mit uns Kindern zu reden,……….. du wolltest dich entschuldigen für all das, was du getan hast und auch, was du meiner kleinen Schwester angetan hast, was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gewusst habe.

Ich weiß nicht, wie ich es in Worte fassen soll, was zu diesem Zeitpunkt in mir vorging……….. irgendwie wollte ich dich nie wieder sehen, andererseits hatte ich immer noch das Gefühl des Gehorchen- müssens in meinem Kopf und irgendwie warst du immer noch mein Papa……..

Mit unserer Zustimmung holten sie dich dann in den Raum hinein……… Ich weiß nicht mehr, was du sagtest……..mag mich auch wohl nicht daran erinnern………… Ich weiß nur noch, dass ich an und in meinem Körper nur so zitterte und ich wünschte, ich träume nur einen schlimmen Alptraum und wache bald auf und alles ist vorbei……… doch den Gefallen hast du mir nicht getan….

Nach dem Gespräch kamen dann die Beamten wieder ins Zimmer hinein und sie stellten uns eine Frage, die ich heute noch nicht nachvollziehen kann, wie man von einem Kind eine Antwort auf eine solche Frage erbitten kann……… Nämlich die Entscheidung, dich bis zu Beginn deiner Verhandlung auf freien Fuß zu setzen……… !!

 Es kam, wie es kommen musste……. durch das Gespräch mit dir hatte ich doch so etwas wie Mitleid empfunden, welches ihr Erwachsenen so vorzüglich hervor rufen könnt. Du wurdest mit einigen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen und bis zur Hauptverhandlung frei gestellt. Du hast dir dann eine kleine Wohnung gemietet, ganz in der Nähe unseres Wohnhauses, in das wir zunächst erst mal wieder zurück kehrten und dort wohnten.

In meine „alte Schule“ bin ich dann auch nur noch etwa 2 Wochen gegangen. Die ganzen Mitschüler schauten mich komisch an und tuschelten, lachten auch hinter meinem Rücken, als hätte ich etwas ganz schlimmes getan. Ich habe mich dort alles andere, aber nicht mehr wohl gefühlt. Da Mama aber schon vorhatte, mit uns wieder nach Bonn zu ziehen, wenn alles vorüber ist……. bin ich dann in eine Bonner Schule eingeschult worden, wo ich auch schnell Anschluss fand und die Kinder dort nicht wussten, was mit mir geschehen ist.

Eines Tages kam dann wieder mal ein Anruf von dir Papa und du wolltest dich gerne mit Mama und uns treffen…….. In einer Gaststätte in unserem Dorf, also neutralem Boden. Du wolltest uns Kinder sehen und mit Mama einiges besprechen, wie es nun weiter geht. Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, Mama davon zu überzeugen, dass sie diesem Gespräch zugestimmt hat……….. aber du scheinst wohl die richtigen Argumente gefunden zu haben.

Also gingen wir mit Mama in diese Gaststätte und du hast dort an der Theke gesessen und auf uns gewartet. Nach einiger Zeit zogst du eine Pistole aus deiner Tasche………. so, dass nur Mama und wir sie sehen konnten und niemand anderes im Raum bemerkte es…..

Ganz leise und doch so eindringlich redest du auf Mama ein, dass sie mich mit dir gehen lassen muss, sonst passiere ein Unglück. Mama konnte nichts tun und ich musste mit dir fahren……… dabei hab ich doch gedacht, alles wäre vorüber und ich hätte nun endlich Ruhe vor dir …… Geht nun alles wieder von vorne los?? Warum nur und warum ich??

Papa?

Ich brauche jetzt ein wenig Pause, denn ich habe schon so viel geredet………..und Blacky muss auch wieder Gassi gehen…….

Bleib bitte sitzen……….. Wenn ich zurück komme, erzähle ich dir den Rest der Geschichte, ja?

 

 

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