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„Pustekuchen Träume“

❤ Guten Morgen ihr lieben und netten Menschen ❤

Ist es nicht schön? Als ich die beiden Zeilen dort oben schrieb, hatten wir gerade heute 4 Uhr in der Früh. Nicht, dass ich nicht gewusst habe, was ich euch heute erzählen mag. Nein *lächel* , denn ich hatte ja den Titel meiner heutigen Erzählung für euch bereits geschrieben und auch in meinem Kopf, was sich dahinter verbirgt 😉 Viel mehr dachte ich daran, dass es doch ein wenig zu früh war, mein Bett für den heutigen Morgen schon zu verlassen, da ich noch nicht so richtig fit war. Also bin ich noch einmal

– Vorsicht! Jetzt kommt eine Lüge!- ins Bett gehüpft

Naja, eher ins Bett gekrabbelt und siehe da? Als ich jetzt um 7.30 Uhr wieder zurück an den Pc kam, warteten meine beiden geschriebenen Zeilen immer noch ganz brav auf die Weiterführung meiner Geschichte, die ich nun auch sogleich beginnen möchte.

Einen Hinweis noch: Die Erzählung ist wieder eine wahre, jedoch die Namen der Mitbewohner aus dem betreuten Wohnen sind abgeändert, aus Respekt an ihrer Person, selbst, wenn sie nur aus den Vornamen bestehen. Mir geht es dabei einfach wohler. 😉
Also, nun geht’s los:

Pusteblume Zeichnung

❤ Pustekuchen Träume ❤

Neulich, in der WG meines Sohnes, ich war mal wieder in ehrenamtlicher Form der Bespaß- und Bastel- Tante dort, kam Oliver die Treppe herunter, mit einem Heft unter dem Arm, welches er mir sogleich zeigte.

Ein Comic, die Ninja Turtles und schlug gleich eine Seite auf, die er gerade bearbeitet, auf welchem er bei einem Preisausschreiben mitmachen und natürlich auch gewinnen möchte. Das Preisausschreiben ging darum, dass man die darin beschriebenen Figuren zählen musste, wie oft sie in dem Heft auftauchen und die Zahl derer in die Kästchen eintragen. Wenn man die richtige Anzahl hat, kommt man in die Lostrommel und der Gewinner bekommt ein Jahres- Abo dieses Comics oder ähnlich.

Ich ließ mir von Oliver alles genau erklären und er blühte während seiner Erzählung immer mehr auf, erklärte mir, welche Heldentaten die Figuren vollbringen, wie er selber die Szenen einübt, sie nachstellt und seine freudige Aufregung stieg. Das war für mich auch ein Zeichen, ihn wieder ein wenig runterkommen zu lassen.

Hier an dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass Oliver eine Form von Autismus hat und er, wenn er Interessen zeigt, an was auch immer, sich da so sehr hineinsteigern kann, dass er innerlich ganz nervös wird, was er dann ab einem bestimmten Punkt nicht mehr selbst koordinieren kann. Also heißt es bei ihm ein wenig aufpassen, dass die Grenze nicht überschritten wird. Da ich die Bewohner mit ihren Eigenarten schon ein wenig länger kennen lernen durfte, habe ich mittlerweile den Balanceakt, inwieweit ich auf die einzelnen Personen zugehen kann, ganz gut im Griff, denke ich mal.

Die Freude der Leute, wenn es mal wieder heißt: „ Heike kommt am Wochenende!“ spricht aus, dass es richtig ist, so wie ich mich verhalte. Dabei freue ich mich mindestens ebenso sehr, wenn ich sie besuchen darf. Sie sind mit Feuereifer bei den ganzen Aktivitäten dabei und wir besprechen dann auch individuell, welche Dinge wir beim nächsten Besuch machen.

Ich finde es immer so rührend und toll, wie gerade Menschen mit ihrem Handicap, solch eine Freude ausstrahlen können und sie überhäufen einen mit ihrer nie enden wollenden Freude und Motivation, wenn sie jemanden mögen ❤ Muss dann jedes Mal schmunzeln, wenn sie sich z.B. darum ereifern, wer mir die Kaffeetasse an „meinen“ Platz stellen darf.
Aber ich schweife mal wieder ab vor lauter Freude auf das kommende Wochenende, wo ich wieder dort hinfahren darf…
Also zurück zum Punkt.

Oliver brachte nach seiner Erklärung über die Ninja Turtles, das Comic- Heft wieder in sein Zimmer. Die Betreuerin, die an dem Tag im Haus war, sagte mir dann, dass ich ein wenig aufpassen muss, weil Oliver sich in den letzten Tagen ziemlich in die Idee hinein gesteigert hat, die Eigenschaften der Comic- Figuren einstudieren möchte, um sie auf einer großen Bühne in einem Filmstudio nach zu spielen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, er möchte Schauspieler werden. Ist alles schön und gut, aber er hat mit seinem Krach, den er bei der ganzen Überei verursacht hat, die anderen Bewohner auch ganz schön genervt und so ist der ein oder andere Schrei nach Ruhe durch das Haus gezogen. Ok, dachte ich. Da muss eine Lösung her 😉

Oliver kam wieder runter und ich setzte mich mit meinem Sohn und ihm ins Wohnzimmer an den Esstisch und befragte ihn, wie er sich das genau vorstelle mit der Schauspielerei. Unter Beachtung natürlich, dass ich innerhalb der Grenze des sich Hineinsteigerns blieb. Ich erklärte ihm dann ganz ruhig, dass die Turtles halt nur deshalb so gut ankommen, weil sie Action- Szenen spielen, wie sie kein normaler Mensch vollführen kann- 10m Sprünge, raketenschnelle Spurts usw. und so fort. Da lohnt es sich nicht, diese Figuren zu üben.

Er überlegte kurz und meinte darauf:“ Ok, aber dann hätte ich auch noch einen anderen Film, wo ich mitmachen möchte. Der wird auch auf einer großen Bühne gespielt und hinter der Bühne stehen die ganzen Film-. Kameras und nehmen das Ganze auf, damit es im Fernsehen dann gesendet wird und zwar: „Alarm für Cobra11“! Ojehh, dachte ich, da haben wir das nächste Problem *lächel* Doch Probleme sind dazu da, sie aus der Welt zu schaffen!

Ich erklärte ihm dann, dass man für diese Serie ganze Straßen absperren muss und es auch nicht so einfach für die Schauspieler ist, die ja ganz gefährliche Feuer- Szenen und Auto- Akrobatik vollführen müssen. Die Leute brauchen eine Spezial- Ausbildung, die viele Jahre dauert und dann ist noch die Frage, ob die Serie so lange noch ausgestrahlt und er, Oliver nach dieser langen Ausbildung dann auch zur Film- Crew ausgewählt wird.

Erster Schritt wäre auf alle Fälle zunächst ein Besuch in einer Schauspielschule. Dort müsste er sich auch vorstellen und Prüfungen machen, damit er einen Platz als Schüler bekommen kann. Da viele Menschen Schauspieler werden wollen, ist es gar nicht so einfach, diese Prüfungen zu bestehen. Man kommt auf eine Bühne und muss dann ganz schnell eine bestimmte Rolle einstudieren und diese dann vor der Jury vorspielen.

Zum Beispiel „Romeo und Julia“. Mit einem Blick auf meinen Sohnemann Sascha, der zu meiner linken saß, sagte ich dann: „ Ja genau! Stell dir mal vor… Sascha spielt die Julia, die auf dem Balkon steht und du Oliver, spielst den Romeo“ wobei die beiden sich vor Lachen bei dem Gedanken an die Szene kaum noch ein bekamen.

Vor allen Dingen mein Sascha als Julia 😉 . Nach herzhaften Lachergüssen aller, sprach ich dann weiter: „ Eine Szene dieser Art ist auch nicht so einfach nach zu spielen. Denn die Jury bewertet bei solchen Prüfungen auch ganz streng und es stehen hunderte Menschen da draußen, die unbedingt den einen Platz in der Schule haben wollen. Wenn man von den ganzen Leuten dann der Beste sein will, muss man ganz viel üben“.

Also beschlossen wir dann, erst einmal im kleinen Kreis, im ganz kleinen Kreis, sprich im Haus bei einer unserer Wochenend- Aktionen einige ganz kleine Theater- Aufführungen ein zu üben. Ein „Zwei-Mann- Ein- Akter“ in dem dann jeweils 2 der Bewohner einen Witz nachspielen, ein lustiges Telefonat nachstellen oder einen Pizzaboten spielen oder was auch immer. Die zwei spielen es und der Rest ist die Jury und das Publikum, welches den Spass noch verstärkt. Denn es ist so und wird immer so bleiben: „ Das Brot des Künstlers ist der Applaus!“ Wer sollte dann applaudieren, wenn alle mitspielen? *lächel*

Das ganze wird dann auch als kleiner Wettbewerb ablaufen, habe ich doch von meiner Freundin die Tage einen ganzen Bund mit Medaillen- Ketten geschenkt bekommen. Natürlich wird jeder an diesem Tag der Sieger sein, aber das werde ich erst zum Schluss des Tages bekannt geben!

So ist dann aus den Pustekuchen-Träumen ein erfüllbarer Traum geworden, der großes bewirken kann. Es kommt nicht darauf an, die großen Träume zu erreichen, denen man oft ein ganzes Leben lang hinterher rennt. Es ist viel wichtiger und besser, die kleinen und winzigen Träume zu verwirklichen, die einem Stärke und Kraft geben, um im richtigen Augenblick den richtigen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Das sind die kleinen Kraft- und Freude- Macher, die unser Leben reich werden lassen. So werden die großen Päckchen leichter, die wir Tag für Tag bewältigen müssen.

In diesem Sinne wünsche ich euch heute noch einen tollen Start in den Tag mit ganz vielen kleinen Traumerfüllungen.

Und das Ganze dann bitte nur ❤  „Step by Step“ ❤ wie es der Rheinländer zu sagen pflegt *ähhm* oder war das jetzt doch der Ostfriese ?*lach*

Liebe Grüße
Heike

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