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Herz 2

Charmant ungehorsam und doch möchte ich manchmal schon gerne loslassen… doch woran halte ich mich dann fest?

Linker Fuß vor rechten Fuß, Schritt für Schritt, den Blick nach vorne gerichtet. Vorwärts gehen, noch vier… drei… zwei…einen letzten Blick mal so eben und im Vorbeigehen in den Spiegel geworfen… die rechte Hand streicht die widerspenstige Strähne aus den Augen… die linke Hand greift zum Türgriff…einen Augenblick noch nachdenken… die Frisur sitzt, das Lächeln wurde bereits von der Vorfreude perfekt ins Gesicht gezaubert. Alles klar, alles gut, alles bestens. Die Tür geht auf, einen ganz kleinen Schritt gerade aus … Tadaaaa!! Ich bin wieder da *lächel*

Recht turbulent ging es in den letzten Monaten in meinem kleinen Leben zu. Vor noch keinem ganzen Jahr habe ich fast jeden Tag mit einer neuen Erzählung meinerseits schreibend begonnen. Genoss die Ruhe in den frühmorgendlichen Tagesstunden, die nur durch meine tippselnden Finger sanft durchbrochen wurden. Das Gesicht oft lächelnd auf den Bildschirm gerichtet, verfolgten meine Augen die, wie aus dem nichts erscheinenden Buchstaben, die sich zu Wörtern und Sätzen entwickelten.

Der nächste Schritt war dann der, meines Mannes Ohren mit meinen neuen Schreibergüssen zu strapazieren, kaum dass er seinen ersten Kaffee geleert hatte. Na gut, die Hälfte seines Muntermachergetränks gönnte ich ihm, Füße scharrend, in, der ihm gewohnten Ruhe. Doch dann brauchte ich sein Urteil. Brauchte seine Zustimmung für meine Selbstzweifel:>> Was meinst du? Kann ich das so lassen? Ist es nicht zu wirr und kannst du verstehen, was ich erzählen möchte? Ist es nicht zu lang oder gar zu kurz? Wie findest du den Titel? Ist er passend gewählt? << Diese und noch mindestens weitere zehn Fragen, wovon ich fünf davon in Wiederholung stellte, hatte ich, bevor ich nach der positiven Antwort meines Mannes, die Erzählungen auf „Veröffentlichung“ setzte.

Nach getaner „Arbeit“ wandelte ich dann durch die Bloglandschaften, schnupperte hier und las da, verweilte dort, schrieb etwas und traf nicht selten liebe Bloggerfreunde auf dem frühmorgendlichen Gedankensportpfad, die ebenso früh aus dem Reich der Träume entlassen wurden.

So konnte der Tag gut beginnen und man hatte gleich ein angenehmes Lächeln auf dem Gesicht.

Heute denk ich gerade, dass schon früher die „Alten“ von der „guten alten Zeit“ schwärmten. Das war früher so und heute ertappe ich mich selbst ab und an dabei *lächel*

Heute Morgen höre ich nur die lauten Stimmen der Winde, die um das Haus fegen, als wenn sie nichts Besseres zu tun hätten. Der Winter hat sich noch nicht verabschiedet und scheint seine Urgewalt mit aller Macht demonstrieren zu wollen. Die Weihnachtstage im Sonnenlicht mit fast frühlingshaften Temperaturen verbracht und nun das. Mit zwiegespaltenen Gefühlen bin ich gespannt, was der ganze Klimawandel noch für uns bereithält. Etwas Gutes wird es bestimmt nicht sein, befürchte ich mit Sicherheit.

Nun aber wieder zu meinem heutigen Heute und frühen Morgen zurück.

Heute Morgen ist vieles anders.

Mein Mann wird gleich die meine Erzählung nicht anhören können. Ich erhalte heute nicht das Feedback und muss mich auf meine innere Stimme verlassen bevor ich diese Zeilen veröffentliche. Er ist bereits seit zehn Tagen im Norden Äthiopiens, in Mekelle und wird noch bis Ende des Monats dort bleiben müssen. Dort in Äthiopien, wo er bis vor drei Jahren längere Zeit gearbeitet hat und ich ihn oft für Wochen oder gar Monate besucht habe. Meist pendelte ich ständig zwischen Deutschland und Nordafrika hin und her. Ein paar Wochen hier, ein paar Wochen dort. So kamen dann locker schon mal pro Jahr bis zu neun Flugreisen zusammen. Seit dieser Zeit habe ich auch meine Flugangst auf ein minimales Minimum beschränken können. Sie ist mir mit der Zeit irgendwie abhanden gekommen. Habe sie bei jedem weiteren Himmelsbesuch Stückchen für Stück in den Wind geschickt.

Gestern Abend noch, während ich mit meinem Mann telefonierte, habe ich mit einem äthiopischen Freund gesprochen, der dort der personal Driver der Firma ist, wo mein Mann tätig war. Atahalti sagte: >> Mrs. Heike! I`m so glad to hear you! What`s about your family, what`s about you? You feel good? You must come back to ethiopia! Miss you, but so happy to see your husband! << Es ist schön, diese Worte zu hören! Dass man nach drei Jahren Abwesenheit noch solche Freude auf ein  Wiedersehen hören kann. Sofern mein Mann nun doch wieder öfter dorthin muss, werde ich ihn bestimmt in meinem Urlaub für kurze Zeit begleiten. Ein paar liebgewonnene Freunde besuchen, von denen in der letzten Jahren, seit ich wieder nur in deutschen Landen bin, immer mal wieder ein paar Zeilen ausgetauscht wurden. Mal schauen, ob sich meine Wünsche erfüllen lassen. *lächel*

Mein kleiner Enkelschatz ist nun ein „großer“ Junge geworden und fast schon ein Schulkind! Im Sommer diesen Jahres wird er zur Schule gehen. Darauf ist er besonders stolz und freut sich schon riesig auf die Schule. Seine Anekdötchen werden auch mehr und mehr logischer; sind nicht mehr ganz so süß verworren wie es noch „gestern“ (?) in die kleine Kinderwelt schallte. Nur quirlig ist er nach wie vor. Wenn er hier bei Oma und Opa ist, werden Tunnel und Höhlen gebaut. Sämtliche Kissen und Decken werden konfisziert und in seine Prachtkonstruktionen eingebaut.

Mein Sohn Sascha wird zum Ende dieses Monats auch einen Riesenschritt gen Selbstständigkeit machen. Er wohnt derzeit ja noch, wie ich schon in meinen Erzählungen geschrieben hatte, in einem „stationär“ betreuten Wohnhaus. Stationär ist in diesem Falle nicht mit klinikmäßigem Standard zu vergleichen. Es ist nur so, dass es ein Wohnhaus ist;  wie eine große WG; in dem Falle sechs Personen mit Gemeinschaftsräumen wobei jeder noch ein eigenes Zimmer als Rückzugsort bewohnt. In diesem Haus ist ein/ -e Betreuer/ -in den ganzen Tag über dort. Nun wird Sascha in eins unserer Apartmenthäuser ziehen.

Ebenfalls eine WG, wird dort aber ambulant betreut. D.h. er wird einige Wochenstunden teilweise von einem meiner Kollegen und einer Kollegin betreut. Es war eine schwere Entscheidung für mich, aber nur so kommt Sascha wieder ein Stück vorwärts. Sascha davon zu überzeugen, war und ist alles andere als einfach.  Gut ist allerdings, dass er zu jeder Zeit die Betreuerinnen im „alten“ Wohnhaus zum Kaffeetrinken besuchen kann, da es nur zwei Straßen entfernt liegt. Was noch positiv dazu kommt, ist, dass sein derzeit „bester Kumpel“ ebenfalls in der neuen WG lebt und Sascha dort seit Monaten ein- und aus-geht.

Mein Töchterlein und Mama vom Enkelschatz ist nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss immer noch auf der Selbstfindungssuche und tut sich recht schwer in der Entscheidung, was sie denn nun als Lehre beginnen möchte. Sie möchte schon gerne in den sozialen Bereich eintreten, jedoch scheut sie sich davor, dass sie sich in den Berufszweigen noch ein weiteres bezahltes Standbein für einige Stunden beschaffen müsste, da die Lehren im sozialen Bereich, welche sie machen möchte, während der Lehrzeit nicht bezahlt werden. Beraten und bitten kann ich sie, dass sie vorankommt, jedoch zwingen kann ich sie wiederum nicht. Hier kann ich nur einfach hoffen, dass sie ihrem Leben bald einen beruflichen Hintergrund angedeihen lässt. Manches Mal stellt man erst im Nachhinein fest, dass der gegangene Schritt ein guter und richtiger war.

 

Und ich? Ich sitze nun hier und schreibe *lächel*. Ich könnte noch so viel schreiben von meinen Erlebnissen im letzten Jahr. Schöne Dinge, lustige Dinge und auch nachdenklich machende Dinge, selbst ein paar traurige Dinge, die ich erlebt habe. Doch zu diesen Dingen besser in einer dazu passenden Erzählung mehr, sonst sprenge ich hier noch den Schreibrahmen, werde hier in der Blogwelt wegen „Viel- W- schr- eiberei“ geblockt und erhalte Stubenarrest und Schreibverbot für mindestens einen Tag. Daher werde ich mich nun für heute stillschreibend verabschieden. Vorher möchte ich euch allen noch einen wunderbaren Start in den heutigen Freitag und ein formidables, glückliches Wochenende wünschen.

 

Liebe Morgengrüße

Heike

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